Kriegsende in der Stanz vor 80 Jahren

Veröffentlichungsdatum30.07.2025Lesedauer2 MinutenKategorienChronik
Ortsansicht Stanz, alte Postkarte

Ende April 1945 zeichnete sich das Ende des 2. Weltkrieges schon deutlich ab

Auf der Schanz und in der Oststeiermark waren aber noch heftige Kämpfe der deutschen Wehrmacht gegen die rote Armee im Gange. Man hörte in der Stanz Geschützdonner und Maschinengewehrfeuer. Die Russen konnten aber die Schanz bis zum Kriegsende nicht erobern.

In den letzten Kriegstagen sind bei der Verteidigung am Schanzsattel noch 19 Soldaten gefallen, die am Stanzer Friedhof beigesetzt wurden. Die sterblichen Überreste dieser Soldaten wurden um 1970 auf den Heldenfriedhof nach Feldbach überführt. 

Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 strömten tausende deutsche Soldaten in das Stanzertal. Im Bereich des Hammerplatzes haben die Soldaten ihre Ausrüstungsgegenstände und Waffen weggeworfen.

Es wurden auch viele Handfeuerwaffen und dazugehörige Munition in den Teich geworfen (Augenzeugenberichte). Die Soldaten flüchteten über die Berge, um der russischen Gefangenschaft zu entkommen.


Kurz nach Kriegsende ist leider auch ein tödlicher Unfall passiert. Drei Buben haben an einem Sonntagvormittag mit einer Panzerfaust auf dem Hammerplatz hantiert. Dabei ist die Panzerfaust losgegangen und ein 14jähriger Bub wurde vom Feuerstrahl tödlich getroffen. 

Das Kaufhaus Sewera wurde von ehemaligen Zwangsarbeitern geplündert. Die Lebensmittel waren im ganzen Kaufhaus am Boden verteilt und unbrauchbar. 

Es wurde alles, was in den Bauernhöfen und der Umgebung nicht niet- und nagelfest war, von den russischen Soldaten gestohlen. Besonders Uhren und Fahrräder waren sehr beliebt. An den Straßenrändern waren sämtliche Wiesen von den russischen Pferden kahlgefressen. 

Die Mädchen und Frauen waren vor sexuellen Übergriffen der Russen nie sicher und deshalb flüchteten die weiblichen Bewohnerinnen der Unteralm zum Knöblbauer.  Auf der anderen Seite waren die Soldaten aber sehr kinderfreundlich. Zum Beispiel hat meine Mutter von ihnen mit 12 Jahren die erste Schokolade in ihrem Leben bekommen.

Bereits am 9. Mai 1945 wurde Franz Raith provisorischer Bürgermeister in der Stanz. Am 25. Juli zogen die Russen ab und es kamen die Engländer als neue Besatzungsmacht. 

Damit war die Schreckenszeit vorbei.


Autor: Andreas Ochsenhofer