Die Verarbeitung des Flachses (Lein) in früheren Zeiten

Veröffentlichungsdatum01.12.2024Lesedauer1 MinuteKategorienChronik
Hanselbauer um 1920, Flachsbrecheln

Hanselbauer um 1920, Flachsbrecheln

In der Stanz wurde bis kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bei fast jedem Bauern Flachs angebaut. Flachs war neben der Schafwolle der wichtigste Rohstoff für die Stofferzeugung. 

Ende August wurden die Stängel des Flachses büschelweise händisch ausgerupft und zu Garben gebunden. Danach folgte die Lufttrocknung der Garben am Felde. Nach dem Einbringen der Garben wurden die Samenkapseln mit einem groben, eisernen Kamm „abgeriffelt“. Das Flachsstroh musste einige Tage im Freien der Wechselwitterung von Tag und Nacht ausgesetzt werden, damit sich die Pflanzenleimschicht langsam zersetzen konnte.

Diesen Vorgang nannte man Feldröste oder Bleiche. Danach wurden die Stängel wieder getrocknet. Das geschah in einer beheizbaren Kammer, die oft mit einer Brechelstube kombiniert war. 
Beim nächsten Arbeitsschritt wurden die Fasern des Flachses mit einer „Brechel“ (siehe Foto) gebrochen.
Die im Bast verfilzten holzigen Teile wurden mit einer „Schwingel“ - eine Art Holzmesser -entfernt. Beim Durchziehen des noch verunreinigten Bastes durch die spitzen und dichtstehenden Eisennadel einer „Hechel“, kamen schließlich die Einzelfasern heraus. Die kurzen Fasern wurden als „Werg“ aussortiert und als Dichtmaterial verwendet. 

Vor dem Verspinnen des „Hoar“ musste es noch geklopft und gebürstet werden um später ein weiches glänzendes Garn zu erhalten, aus dem dann Leinenstoff gewebt wurde.

Als Nebenprodukt der Flachsverarbeitung fiel Leinsamen an, der verkocht oder zur Ölgewinnung verwendet wurde. 

Das Brecheln war eine körperlich sehr anstrengende Arbeit, bot aber gleichzeitig die Gelegenheit zum persönlichen Austausch unter Nachbarn und zu allerlei Schabernack und Unterhaltung.
Nach dem Brecheln gab es immer eine üppige Mahlzeit - vielleicht auch Erdäpfel mit Leinöl.

Hanselbauer um 1920, FlachsbrechelnHanselbauer um 1920, Flachsbrecheln